4. Frankfurter Tag der Musiktherapie "Traumatisierte Flüchtlinge in der Musiktherapie"

Der Frankfurter Arbeitskreis für Musiktherapie (FAMT e.V.) veranstaltete am 04.Juni 2016 seinen 4. Frankfurter Fachtag zum aktuellen Thema „Traumatisierte Flüchtlinge in der Musiktherapie" in der Fachhochschule Frankfurt,

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Es kamen ca. 30 MusiktherapeutInnen aus dem Rhein-Main Gebiet um die interessanten Vorträge zu hören und gemeinsam über das Thema zu diskutieren. Den Anfang machte Johanna-Leonore Dahlhoff, die über ihre Erfahrungen in verschiedenen Frankfurter Projekten mit musikalischen und musiktherapeutischen Schwerpunkten berichtete. Musikalisches Lernen, Ressourcenorientierung, sozial-emotionale Kompetenz und Selbstwirksamkeit bilden die Schwerpunkte der musiktherapeutischen Projekte. Problematisiert wurden v.a. die instabilen Settingvariablen, die ein prozessorientiertes Arbeiten erschweren (z.B. Fluktuation der Migranten, finanzielle Komponente). Der zweite Kurzvortrag gewährte uns einen Einblick in die Traumastation. Angelika Stieß-Westermann referierte über ihre musiktherapeutische Arbeit mit komplex traumatisierten Patientinnen. Deutlich wurde dabei ein behutsames musiktherapeutisches Arbeiten mit dem Wissen über die traumaspezifischen Phasen und Methoden.

Für den Hauptvortrag konnten wir Ralph Keller (Dipl.-Musiktherapeut/Dipl.-Sozialpädagoge, Traumatherapeut beim psychosozialen Zentrum Refugio e.V. Bremen) gewinnen.Er betonte, dass der Verlauf der Zeit nach der Gewalterfahrung von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung oder Chronifizierung von psychischen Traumafolgestörungen ist. Die grundlegenden Faktoren, die Migranten nun brauchen sind Schutz/Sicherheit, eine gute Versorgung und tragfähige Beziehungen. Dies wirkt sich auf die Therapeutenhaltung und auf die musiktherapeutische Methodik aus. Die Themen liegen auf der Hand: kulturelle Unterschiede, geschlechtsspezifische Unterdrückung, Fluchterfahrungen, das laufende Asylverfahren, der Verlust der Heimat und die damit verbundenen Ängste und Trauer. Politische Themen, die strukturelle Gewalt und gesellschaftliche Missstände liegen dabei sehr nah an den individuellen und therapeutischen Themen. Nach einer Diskussion, die Platz ließ für eigene Erfahrungen und die Betroffenheit der Teilnehmer zeigte, aktivierten wir unsere Ressourcen und beendeten die Tagung mit einer gemeinsamen „Guidelineimprovisation“. Das gemeinsame Spielen ließ uns ein Stück der Methodik erfahren und tat nach diesen beeindruckenden Vorträgen einfach gut.

Elka Aurora

 

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