Bericht über die Weiterbildung "Musiktherapeutische Praxis und Konzeptentwicklung im Diskurs" 2014/15

von Ulrike Köhler

Musiktherapeutische Praxis und Konzeptentwicklung im Diskurs

Eine neue Weiterbildung in Frankfurt/Main

Von September 2014 bis Juni 2015 fand eine berufsbegleitende und zertifizierte Weiterbildung „Musiktherapeutische Praxis und Konzeptentwicklung im Diskurs“ in Frankfurt statt. Sie war konzipiert auf fünf Seminare zu je zwei Tagen in den musiktherapeutisch gut ausgestatteten Räumen der Frankfurt University of Applied Sciences. Beteiligt waren zehn MusiktherapeutInnen aus 5 verschiedenen Ländern mit Prof. Dr. Eckhard Weymann (Hamburg) und Dr. Martin Deuter (Schweiz), den beiden Dozenten der Weiterbildung. Die Weiterbildung wurde ermöglicht in Zusammenarbeit der FH Frankfurt und dem Frankfurter Arbeitskreis für Musiktherapie famt e.V. (www.famt.de)

Die teilnehmenden MusiktherapeutInnen kamen aus verschiedensten Ausbildungen und Werdegängen und brachten unterschiedlich viel Berufserfahrung mit.
Die Gesamtaufgabe bestand darin, die musiktherapeutischen Konzepte aus den jeweiligen Praxisfeldern der Teilnehmenden zu reflektieren, um sie im Laufe der Weiterbildung zu differenzieren, weiterzuentwickeln und präsentieren zu können. Die Ausschreibung beschrieb als Ziel der Weiterbildung „die Erweiterung der methodischen, theoretischen, interdisziplinären und künstlerischen Kompetenz jedes einzelnen“.

Die 4 Versionen und Behandlungsschritte (E.Weymann , R. Tüpker, 2006) beschreiben in der Morphologischen Musiktherapie eine systematisierte Schrittfolge, mit der das komplexe Ganze eines therapeutischen Prozesses aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und verstanden werden kann. Diese Systematik beinhaltet auch der „Leitfaden zur Konzeptentwicklung“ (T. Weber, E. Weymann, 1996), von M. Deuter und E. Weymann 2014 erweitert, der das theoretische Grundgerüst der ersten vier Seminare bildete.
Es geht in diesen vier Schritten als erstes um das Bild der musiktherapeutischen Behandlung, im zweiten um deren Organisation, das Setting und angewendete Methoden. Der dritte Schritt beschreibt Entwicklungsaspekte und Veränderungen, die beobachtet werden, und der vierte schließlich behandelt die Integration der verschiedenen Erfahrungen in das ganze Konzept. Diese vier Versionen wurden jeweils unter den Gesichtspunkten Institution, PatientIn und TherapeutIn reflektiert bezüglich der eigenen Arbeitssituation und deren Veränderungsmöglichkeiten. Beim fünften Seminar hatten alle Teilnehmenden die Aufgabe, das „Herzstück“ des erarbeiteten eigenen musiktherapeutischen Konzeptes für das jeweilige Praxisfeld, passend zur eigenen Person, der Gruppe zu präsentieren.

Die Dozenten machten es sich zur Aufgabe, die zehn MusiktherapeutInnen in ihren individuellen Kompetenzen mit ihren eigenen Fragestellungen zu begleiten und zu fördern: von Beginn der Fortbildung an waren die Teilnehmenden aufgerufen, ihre individuellen Lernziele und Lerninhalte differenzierend und fortlaufend zu beschreiben.
Dazu gab es seitens der Dozenten regelmäßig theoretischen Input: Inhalte der Morphologischen Musiktherapie, Improvisationsformen und deren Phänomenologie, sowie Fallsupervision stellten Schwerpunkte jeden Seminars dar.
Am Ende der Lerneinheiten bekamen die Teilnehmenden „Hausaufgaben“ mit konkreten, weiterführenden Fragestellungen und klarem Praxisbezug. Diese wurden dann zu Beginn des nächsten Seminars präsentiert und diskutiert. Auch theoretische Bezüge und die dazugehörende Fachliteratur waren Gegenstand der Arbeit und des Diskurses. Ein weiterer Lerninhalt bestand darin, die Praxis des Präsentierens der eigenen Arbeit zu üben als Hilfestellung zur Anwendung im Arbeitsalltag.

Für die angestrebten Weiterbildungsziele boten die Seminare einen Rahmen, der den individuellen Lernprozess der Teilnehmenden -nach eigener Aussage- anregte und förderte. Das Lernen in der Gruppe mit und von den KollegInnen gebe viele Möglichkeiten zur gegenseitigen Rückmeldung auch mit dem Blick auf andere Konzepte, Praxisfelder, Methoden und Theoriebezüge.

Ein Fazit von Teilnehmern im Originalton:
„Neben der gründlichen Reflexion der eigenen Arbeit mit neuen Konzeptanregungen war auch der Austausch mit erfahrenen Kollegen einfach großartig, unter empathischer, fachkundiger (exzellenter) Leitung!“
"Die sehr konkreten und gezielten Fragestellungen (in Form von Hausaufgaben oder kurzen Präsentationen) haben mir geholfen, die eigene Arbeit in fokussierter Form zu reflektieren. Der Diskurs in der Gruppe erfahrener KollegInnen gab mir neue Impulse, hilfreiche Rückmeldungen und einen geschützten Raum für die eigene Entwicklung."

Ulrike Köhler, Theodor-Veiel-Straße 78, 70374 Stuttgart

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